Wie sicher ist autonomes Fahren? -ExpertInnenvortrag und Podiumsdiskussion an der FH Campus Wien

Autonomes Fahren soll sicher sein – soweit die Forderung und Erwartung. Doch vieles zu dieser neuen Form der Mobilität ist aus heutiger Sicht noch unklar oder schlicht noch nicht so weit – wie ein Expertenvortrag und eine Podiumsdiskussion am 18. Juli an der FH Campus Wien zeigten.

Der Mensch lenkt – oder auch nicht…

Hans Tschürtz, Leiter des Vienna Institute for Safety and Systems (VISSE) der FH Campus Wien und des Masterstudiums "Safety and Systems Engineering", leitete seinen Vortrag "Wie sicher ist autonomes Fahren?" mit Erkenntnissen aus der Verkehrsunfallforschung ein. Als Hauptursache von Verkehrsunfällen gilt menschliches Versagen. Ein Unfall passiert durch einen Verkehrskonflikt und die unangemessene Behandlung des Konflikts. Darunter fallen etwa Mängel in der Reaktion des Menschen oder aber eine völlig falsche Risiko-Einschätzung. Beim autonomen Fahren fallen das zentrale Steuerelement/-system "Mensch" und seine Fähigkeiten allerdings weg.

Ein System organisiert sich selbst…

Assistiertes, teilautomatisiertes, hochautomatisiertes, vollautomatisiertes und autonomes Fahren – das sind die fünf Stufen, in denen sich der Grad der Unterstützung durch technische Systeme bis zur völligen Übernahme widerspiegelt. Beim autonomen Fahren übernimmt das Fahrzeug also alle Fahrfunktionen. Die Komplexität, bzw. die Anforderung an technische Lösungen, ist dabei ausgesprochen hoch. Hohe technische Komplexität wiederum begünstigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein System emergent verhält. Das bedeutet, im System selbst können sich neue Strukturen, Eigenschaften und Fähigkeiten herausbilden, die seine Elemente nicht ursprünglich haben und sich ungünstig auf das System auswirken können.

Systems of Systems

Insbesondere beim autonomen Fahren geht es darum, ein "Supersystem zu beherrschen". Agieren EGO-Systeme eigenständig, so befinden sie sich in einem "Systems of Systems"-Kontext und müssen Hindernisse selbst erkennen und Situationen ohne Zutun des Menschen einschätzen und beherrschen. Dazu kommen zusätzliche Aspekte wie Umwelteinflüsse, Sichteinschränkungen, das Fehlverhalten anderer VerkehrsteilnehmerInnen, Ereignisse höherer Gewalt, mutwillige Einflüsse oder etwa Verschmutzung der Sensorik. Viele Faktoren also, die zusammenwirken und die Sicherheit beeinträchtigen.

Fail-Safe-Prinzip – auch für autonomes Fahren?

Nach diesem Prinzip muss eine Komponente immer so ausfallen, dass sie einen sicheren Zustand einnimmt. Und es beruht auf der Annahme, dass es einen klar definierten, sicheren Zustand gibt. Wenn es diesen jedoch nicht gibt oder wenn sich dieser je nach Situation verändert, so wird das Prinzip schwer anwendbar. Wie weit ist dieser Grundsatz also auf das autonome Fahren anwendbar?

Safe Systems for an automatic World!

Hans Tschürtz plädiert dafür, einen anderen konzeptionellen Umgang zum Thema Sicherheit zu verfolgen. Sollen komplexe Systeme sicher sein, muss der Faktor Sicherheit von Anfang an in die Systeme integriert werden. Dieser Ansatz der "inhärenten Systemsicherheit" mit Fokus auf das autonome Fahren wird im Masterstudiengang Safety and Systems Engineering an der FH Campus Wien gelehrt. In der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Walter Sebron (Forscher am VISSE) beleuchteten ExpertInnen aus Wissenschaft und Praxis die Frage nach der Sicherheit des autonomen Fahrens aus ihren jeweiligen Blickwinkeln und zeigten einmal mehr auf, wie umfassend sich dieses Thema gestaltet – und was es noch zu lösen gilt.
Weitere Informationen Vienna Institute for Safety and Systems Engineering Masterstudium Safety and Systems Engineering
Autor: red.
24.07.2018