Welcher "Karrieretyp" sind Sie?

"Karriere" – ein inflationär verwendeter Begriff. Je öfter er gebraucht wird, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass das Wort an sich bzw. das, was der/die VerwenderIn damit aussagen möchte, missverstanden wird. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Karriere bedeutet für viele von uns etwas anderes. Dementsprechend herausfordernd ist es aber auch, sich dem Thema Karriereplanung zu nähern.
Von Dr. Stefan Humpl
Geschäftsführer, 3s Unternehmensberatung
© Archiv Um also eine "Karriereplanung" – die Definition eines Zustandes, den man persönlich und beruflich erreichen möchte, sowie die Schritte, wie dieser Zustand erreicht werden kann – machen zu können, ist es jedenfalls notwendig, seine individuelle Definition von Karriere vorzunehmen. Dazu hilft es vielleicht, sich einige grundlegende "Karrieretypen" anzusehen, also verschiedene idealtypische Vorstellungen von dem, was Karriere für unterschiedliche Menschen bedeuten kann. Aber Achtung: In jeder/jedem von uns steckt ein wenig von allen genannten Typen, und der jeweilige Anteil kann sich auch mit der Zeit ändern. Dennoch ist es hilfreich, sich anhand der verschiedenen Karrieretypen selbst besser kennen zu lernen.

Typ 1: Einkommen und Ansehen als Parameter

Da gibt es einmal jene, die möglichst rasch beruflich erfolgreich sein wollen, im Sinne von beruflichem Aufstieg und der Möglichkeit, eine Führungsposition zu erreichen. Häufig geht damit auch der Wunsch nach einem höheren Verdienst einher. Dabei ist es nicht immer wichtig, welche spezifische berufliche Tätigkeit verrichtet wird, Hauptsache, die Ergebnisse des Erfolgs sind auf dem Konto oder anhand des Besitzes diverser Statussymbole sichtbar. Während also Einkommen, Aufstieg und Ansehen im Beruf oder auch Macht als Vorteile dieses Karrieretyps gesehen werden, müssen als Nachteile mitunter eingeschränkte persönliche und private Freiheit und Abhängigkeit von anderen genannt werden.

Typ 2: Expertenwissen im Fokus

Dann gibt es jene, die in bestimmten fachlichen Fragestellungen etwas erreichen wollen, d.h., die sich voll auf ihre Fachexpertise konzentrieren und diese weiterentwickeln wollen. Das Erreichen bestimmter Projekte, die Erhöhung des persönlichen Status im Sinne der Bekanntheit im jeweiligen fachlichen Umfeld bis hin zur Bekanntheit in einer breiteren Öffentlichkeit (meist auch mit dem Zusatz "der/die SpezialistIn im Bereich…") stehen hier im Vordergrund. Die Erhöhung des Einkommens wird insbesondere mit der Verbesserung des persönlichen Images im jeweiligen Fachfeld gesehen. Das Erreichen fachlicher Expertise bringt Ansehen in bestimmten Kreisen und, eingeschränkt, auch öffentliches Ansehen mit sich. Der zeitliche Aufwand, der dafür notwendig ist und manchmal an Selbstausbeutung grenzt, die Gefahr des Missverstandenwerdens bei komplexen Themen (Negativ- Image bestimmter ExpertInnen) seien aber als negative Aspekte genannt.

Typ 3: Wunsch nach kreativer Verwirklichung

Wiederum andere verknüpfen ein kreatives Interesse mit der Entwicklung der eigenen Karriere. Sie wollen Anerkennung im Sinne von Wahrnehmung ihrer Projekte, die häufig einen kreativen Background haben. Insbesondere im kreativ-gestalterischen Umfeld gibt es viele, die sich selbst und ihren beruflichen Erfolg nach der Abwicklung erfolgreicher Projekte definieren. Dabei gilt es natürlich, finanzielle Interessen zu berücksichtigen, aber sie stehen nicht im Vordergrund. Stattdessen geht es vor allem um die Verwirklichung eigener Ideen. Diese große Übereinstimmung von persönlichen und beruflichen Entwicklungszielen, die hohe Identifikation mit dem eigenen "Lebenswerk" birgt aber die Gefahr der Selbstausbeutung und langen Durststrecken, bis der finanzielle Erfolg, vielleicht, eintritt.

Typ 4: Der Pragmatiker

Schließlich gibt es die Pragmatiker, die Karriere als die möglichst optimale Verbindung von persönlichen und beruflichen Zielen ansehen. Häufig ist dabei die Optimierung beruflicher Ziele auch auf die Grundsicherung des eigenen Lebensstandards im privaten Umfeld abgestellt, d.h. eine berufliche Entwicklung wird lediglich in jenem Ausmaß wahrgenommen, wie dies das private Umfeld auch zulässt. Damit wird aber auch die mittel- und langfristige berufliche Entwicklung beschränkt. Hier besteht die Gefahr, dass man beruflich "den Anschluss verliert".
Bei genauerer Analyse wird deutlich, dass es einige Eckpunkte gibt, durch die sich die verschiedenen Karrieretypen definieren lassen:
  • Einstellung zu Geld/Einkommen
  • beruflicher Einfluss
  • Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen
  • Spaß am Job
So macht es für eine Karriereplanung Sinn, die eigene Einstellung zu diesen Eckpunkten zu hinterfragen und das gegebenenfalls auch im Gespräch mit FreundInnen, Bekannten und Karriereprofis zu tun, um der Selbsteinschätzung auch eine Fremdeinschätzung entgegenzusetzen und auf diese Weise mehr über sich selbst zu lernen.
Autor: red.

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  • Welcher "Karrieretyp" sind Sie?

    Karriere bedeutet für viele von uns etwas anderes. Dementsprechend herausfordernd ist es aber auch, sich dem Thema Karriereplanung zu nähern.